Statement zu den Reaktionen auf die Veröffentlichung der trans*fläche

Alibi & Anti-Rassismus-Telefon

Statement zu den Reaktionen auf die Veröffentlichung der trans*Fläche

>>> Triggerwarnung: Transphobie <<<

Kontext des Statements:

Am 08. März haben einige trans*Menschen in Essen ein Haus besetzt, um ein selbstorganisiertes Zentrum für trans*Menschen zu schaffen. In diesem Rahmen veröffentlichten die Besetzer:innen ein Zine mit dem Titel „Gegen diesen Feminismus! Un-cis-thematische Stimmen und Beiträge für einen antipatriarchalen Kampftag.“ Auf ihrer Webseite transflaeche.blackblogs.org schreiben die Besetzer:innen zum Zine u.A.:

Es ist eine Art Abrechnung mit diesem Feminismus, wir meinen damit jenen der von cis Frauen geprägt, bestimmt und durchgeführt wird. Wir haben es satt nicht gesehen zu werden. Wir haben es satt, dass ihr uns ausschließt und zweitrangig behandelt. Wir fühlen uns in euren Programmen, Kongressen und Läden nicht gesehen. Wir wollen keinen Frauenkampftag und auch keinen mit Sternchen. Deswegen haben wir auch den 08.03 gewählt. Wenn ihr uns nicht in eure Programme und Planungen einbezieht, dann machen wir uns halt den antipatriarchalen Kampftag, den wir wollen und brauchen, selbst. […] Wir fordern, dass cis Feministinnen sich selbst in der Verantwortung sehen sich ihrer Privilegien bewusst zumachen und sich weiterzubilden.“

Aus gegebenem Anlass wollen wir uns vor Allem zu den Reaktionen auf die Veröffentlichung der trans*Fläche äußern

Wir sind selbstverständlich solidarisch mit den Besetzer:innen und ihrer Forderung nach Selbstverwaltung und Schutzräumen für trans*Menschen. Wir verurteilen die Repression gegenüber den Aktivist:innen durch die Essener Polizei. Wir sehen die Notwendigkeit, mehr Raum und Sensibilität für trans*Themen zu schaffen, und das auch in der linksradikalen Szene, auch explizit im Feminismus, auch und gerade am 08. März.

Diese Solidarität und Einsicht steht für uns unabhängig von den konkreten, aber auch sehr verschiedenen Inhalten des Zines. Denn selbst eine kritische Perspektive auf das Zine, kann und darf niemals die Art von Hass gegen trans*Menschen legitimieren, die sich noch am Tag der Veröffentlichung selbst aufgetan hat. Wir sind bestürzt über die transphobe Party, welche vor Allem auf Social Media abgefeiert wird. Wir möchten es kritisieren, dass linksradikale Gruppen nicht moderieren und intervenieren, wenn in den Kommentarspalten auf ihren Kanälen trans*Menschen beleidigt und bedroht werden, wenn trans*Menschen gar die Existenz und Identität aberkannt wird, wenn sich über ihre Traumata und Ausschlüsse lustig gemacht wird.

Zwar denken wir nicht, dass komplexe Debatten hauptsächlich auf social Media geführt werden können. Doch durch die Spannweite zwischen Unsensibilität und Hass, von welcher der online-Umgang gerade in weiten Teilen geprägt ist, sehen wir zukünftige, persönliche Debatten auch in und zwischen den (lokalen) Strukturen durchaus gefährdet. Daher, aber auch aus Respekt vor Betroffenheiten, wünschen wir uns einen sensiblen, konstruktiven und differenzierten Diskurs.

Eine FLINTA Struktur & einige Leute
aus dem Alibi ((flintibi-essen@riseup.net)
& das Anti-Rassismus-Telefon